Hauptinhalt

Trinkwasserinitiative verfehlt ihr Ziel

Medienmitteilung des Schweizer Bauernverbands vom 07. Mai 2019

Eine Annahme der Trinkwasserinitiative würde vor allem Betriebe mit Spezialkulturen wie Obst oder Weinbau, gewissen Ackerkulturen sowie Geflügel- und Schweineproduktion zwingen, auf Direktzahlungen zu verzichten und aus dem ökologischen Leistungsnachweis auszusteigen oder die Produktion aufzugeben. Dies die wichtigste Erkenntnis einer Fallstudie der Berner Fachhochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften anhand von elf reellen Landwirtschaftsbetrieben. Beide Wege bringen keine positive Umweltwirkung. 

2018 wurde die Volksinitiative «Für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung» eingereicht. Sie fordert, dass Betriebe, die Pflanzenschutzmittel einsetzen oder Futter für ihre Tiere zukaufen, keine Direktzahlungen mehr erhalten. Der Schweizer Bauernverband (SBV) hat die Berner Fachhochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) beauftragt, die wirtschaftlichen Auswirkungen einer Annahme der Initiative auf elf konkrete Betriebe sowie deren Handlungsmöglichkeiten in einer Studie zu untersuchen. Die Modellrechnungen zeigen, dass die Trinkwasserinitiative auf alle untersuchten Betriebe negative Auswirkungen bezüglich Umsatz und Einkommen hätte. Fünf der elf Betriebe würden sich aufgrund der Resultate für das Anpassen an die Anforderungen der Initiative entscheiden, um weiterhin Direktzahlungen zu erhalten. Dies gilt insbesondere für die Milchvieh- und Ackerbaubetriebe. Letztere müssten aber ihre Fruchtfolge umstellen und gewisse Kulturen wie Kartoffeln, Zuckerrüben oder Raps aufgeben.

Auf Direktzahlungen verzichten

Sechs Betriebe ziehen es gemäss der Studie vor, auf Direktzahlungen zu verzichten, um die Forderungen nicht erfüllen zu müssen. Zu dieser Gruppe gehören zum einen spezialisierte Betriebe mit Spezialkulturen wie Obst oder Wein. Für diese würde der vollständige Verzicht auf Pflanzenschutzmittel erhebliche Ertragseinbussen und nicht tragbare Produktionsrisiken mit sich bringen. Ebenfalls auf Direktzahlungen verzichten, um die Produktion aufrechtzuerhalten, würden Schweine- und Geflügelhalter. Für die meisten ist es unrealistisch, die Nutztiere ausschliesslich mit auf dem Betrieb produzierten Futter zu füttern. Die Analyse bestätigt, dass die Annahme der Trinkwasserinitiative einen erheblichen Teil der landwirtschaftlichen Betriebe aus dem Direktzahlungssystem verdrängen würde. Das wirft die zentrale Frage auf: Welche Konsequenzen hätte die Trinkwasserinitiative auf den Verbrauch von Pflanzenschutzmitteln, wenn sich die grossen Verbraucher ihr gar nicht unterwerfen und dafür aus dem ökologischen Leistungsnachweis aussteigen?

Herausforderungen anders angehen

Für den SBV zeigt die Studie, dass die Forderungen der Trinkwasserinitiative zu extrem sind und nicht zum gewünschten Resultat führen. Die Auswirkungen der Initiative auf die Umwelt wären insgesamt negativ. Die Landwirtschaft nimmt die von der Initiative angesprochenen Themenbereiche ernst und anerkennt einen Handlungsbedarf. Dieser besteht nicht beim Trinkwasser oder den Lebensmitteln, wie die Initiative suggeriert. Vielmehr sind es die Rückstände in den kleinen und mittleren Fliessgewässern des landwirtschaftlich intensiv genutzten Mittellandes, die es zu minimieren gilt. Die Antworten und Massnahmen auf die Herausforderungen liegen mit den Aktionsplänen Pflanzenschutz und Biodiversität, der Strategie gegen Antibiotikaresistenzen sowie der in der Pipeline befindenden Branchenlösung «Stärkung des inländischen Futteranbaus» vor. Diese sind konsequent um- und durchzusetzen. Aus diesen Gründen ist für den SBV – wie auch für den Bundesrat – kein Gegenvorschlag nötig. Ein solcher würde das bestehende Engagement abbremsen und die Kräfte unnötig verzetteln.

Die ganze Studie ist auch auf: www.trinkwasserinitiative-nein.ch zu finden.

Rückfragen

Markus Ritter

Markus Ritter

Schweizer Bauernverband
Präsident
Nationalrat

Telefon 079 300 56 93
E-Mail markus.ritter@parl.ch

Jacques Bourgeois

Jacques Bourgeois

Schweizer Bauernverband
Direktor
Nationalrat

Telefon 079 219 32 33
E-Mail jacques.bourgeois@sbv-usp.ch

Martin Pidoux

Studienleiter HAFL

Telefon: 031 910 29 84 

Urs Bürgi

Ackerbauer Kanton Bern

Mobile: 079 452 28 56

Annelies Thürler

Geflügelhalterin Kanton Freiburg

Mobile: 079 630 97 42

Boris Keller

Weinproduzent Kanton Neuenburg

Mobile: 079 449 57 44

Weitere Beiträge zum Thema

Bericht zur Lage Bericht zur Lage der Landwirtschaft - Dezember 2021

11.01.22 | Das erste Dezember-Drittel startete mit viel Schnee, teilweise bis in die Niederungen. Das zweite Drittel zeichnete sich v.a. durch verbreiteten Hochnebel aus, sonniges Wetter herrschte vor allem in höheren Lagen. Gegen Ende des Monats gab es hohe Temperaturen und die zahlreichen Niederschläge am Monatsende fielen v.a. als Regen. Die mittlere Dezember-Temperatur lag verbreitet um 1 Grad über der Norm 1981 2010. Vom Jahr 2021 werden wettermässig die extremen Niederschläge im Sommer und die zahlreichen Hagelzüge in Erinnerung bleiben.

Mehr lesen
Bericht zur Lage Bericht zur Lage der Landwirtschaft - November 2021

10.12.21 | Im November lagen die Temperaturen in den tieferen Lagen der Alpennordseite 0,5 Grad unter der Norm 1981-2010. In den höheren Lagen stieg die Temperatur knapp über die Norm. Südlich der Alpen lag die Temperatur im Mittel um 0,5 Grad über der Norm. Ein Grund dafür dürften die längeren Phasen mit Hochnebel sein, welche zu trübem Wetter im Talgebiet und eher sonnigem Wetter in den höheren Lagen führte. Der November startete mit reichlichen Niederschlägen. Dabei fiel v.a. in den Ostalpen viel Schnee. Ab dem 25. November brachte ein Tief Schnee bis in die Niederungen. Insgesamt brachte der November jedoch wenig Niederschläge. Diese erreichten gebietsweise sogar nur 30 bis 50 % der Norm. In Graubünden und auf der Alpensüdseite wurde die Norm teilweise überschritten. Insgesamt war auch der ganze Herbst sehr trocken. In der Nordschweiz wurden regional nur 30 bis 40 % der Niederschläge gemäss der Norm 1981-2010 erreicht. Einzig im Engadin lagen die Niederschläge im Herbst leicht über der Norm.

Mehr lesen
Bericht zur Lage Bericht zur Lage der Landwirtschaft - Oktober 2021

10.11.21 | Der Oktober war wie schon der September sonnig und arm an Niederschlägen. Diese blieben verbreitet unter 50 % der Norm 1981-2010. Die Temperatur lag mit 6,2 Grad knapp unter der Norm 1981-2010. Vom 2. auf den 3. Oktober führten Föhnstürme in den Alpentälern teilweise zu Tropennächten mit Tiefsttemperaturen von über 20 Grad. Am 21. Oktober brachte der erste Herbststurm auf den Jurahöhen Windgeschwindigkeiten von bis zu 135 km/h.

Mehr lesen
Bericht zur Lage Bericht zur Lage der Landwirtschaft - September 2021

11.10.21 | Auf einen eher kühlen August folgte ein überdurchschnittlich sonniger und ausgesprochen milder September. V.a. die erste Monatshälfte brachte hohe Temperaturen. Die Niederschlagsmengen waren unterdurchschnittlich, wie schon im August. An einzelnen Orten fiel nicht einmal ein Drittel der durchschnittlichen September-Regenmenge. Im Juni und Juli wurden 6927 bzw. 3577 Hagel-Schadenfälle gemeldet (Tabellen 1.4 und 1.5) . Insgesamt gingen bis und mit August im laufenden Jahr 11'212 Schadenmeldungen ein. Schweizer Hagel schätzt die versicherten Schäden auf insgesamt 110 Millionen Franken und spricht vom schlimmsten Hageljahr seit dem Bestehen der Versicherung. Die Landwirtschaft ist im laufenden Jahr auch von Elementarschäden stark betroffen, da der Hagel oft von Starkregen und Überschwemmungen begleitet wurde.

Mehr lesen
Bericht zur Lage Bericht zur Lage der Landwirtschaft - August 2021

13.09.21 | Der Juli 2021 war geprägt von viel Niederschlag. Dank dem trockenen Frühling erreichte die kumulierte Wasserbilanz bis zum Juli nicht ganz das Niveau des Jahres 2016 (Tabelle 1.2). Der August zeigte sich von der kühlen Seite. Die Temperaturen lagen in den meisten Gebieten unter der Norm 1981-2010. Anfangs Monat war das Wetter tiefdruckbestimmt. Vor allem auf der Alpensüdseite gingen zum Teil kräftige Gewitter nieder mit täglichen Niederschlagsmengen von über 100 mm. Vom 10. bis 14. August gab es überall viel Sonnenschein mit Temperaturen von über 30 °C. Am 16. August folgte eine Kaltfront mit gebietsweise ergiebigem Niederschlag, bevor ab dem 18. August ein Hochdruckgebiet wirksam wurde, wenn auch zum Teil mit hochnebelartiger Bewölkung. Am 26. August fiel in der Ostschweiz erneut Regen. In der Westschweiz, dem Wallis und dem Tessin blieb es ziemlich trocken und sonnig. Insgesamt fielen in der Schweiz im August geringere Niederschlagsmengen als die Norm 1981-2010.

Mehr lesen
Bericht zur Lage Bericht zur Lage der Landwirtschaft - Juli 2021

10.08.21 | Der Juli 2021 zählt zu den fünf niederschlagreichsten Monaten seit Messbeginn. Dabei waren die Böden schon Ende Juni weitgehend mit Wasser gesättigt. Die grossen Niederschlagsmengen fielen v.a. in der ersten Monatshälfte ab dem fünften Juli. Sie führten zu Überschwemmungen, Hangrutschen und Murgängen. Das Hochwasser erforderte auch die temporäre Einstellung der Schifffahrt auf dem Rhein. Mehrere Gewitter mit Hagelzügen führten am 7./8. Juli sowie am 12./13. Juli zu grossen Schäden. Regional kam es bei landwirtschaftlichen Kulturen wie Gemüse und Reben bis zum Totalverlust. Eine Phase mit etwas sonnigerem Wetter folgte vom 17. bis am 23. Juli, bevor erneut tiefdruckbestimmtes Wetter folgte. Zwischen dem 24. bis 28. Juli hagelte es erneut mit Korngrössen, welche nur alle 20 bis 50 Jahre erwartet werden. Insgesamt wurden im Juli schweizweit acht Hageltage gezählt. Dabei waren die Hagelschäden schon im Juni mit 6927 Schadenmeldungen weit überdurchschnittlich (Tabelle 1.5). Die mittlere Temperatur lag im Juli um 0,3 Grad unter der Norm 1981-2010, während die Temperatur auf der Alpensüdseite im Bereich der Norm lag.

Mehr lesen
Statistik der Woche
Woche 31/2021

06.08.21 | Das Jahr 2021 droht im Pflanzenbau zu noch schlechteren Ergebnissen als das Jahr 2016 zu führen. 2016 hat die anhaltende Nässe v.a. im Ackerbau zu Problemen geführt. Im laufenden Jahr kommen dazu die Folgen der Spätfröste im Frühling und der massiven Hagelfälle. Dadurch sind im Gegensatz zur Situation im Jahr 2016 auch die Spezialkulturen stark betroffen.

Mehr lesen
Bericht zur Lage Bericht zur Lage der Landwirtschaft - Juni 2021

12.07.21 | Mit Hitzetagen vor allem um die Monatsmitte war dies der viertwärmste Juni seit Messbeginn 1864. Gewitter gab es mehrheitlich im ersten und letzten Monatsdrittel. Kräftige Gewitter mit Starkniederschlägen, Hagel und Sturmböen zogen ab dem 18. Juni über die Schweiz. Teils fielen hohe Regenmengen innert kurzer Zeit, was in mehreren Gebieten auf der Alpennordseite zu Überschwemmungen führte. Bereits im Mai gab es zahlreiche Hagelschäden (Tabelle 1.5). Für den Juni liegen Agristat die genauen Meldungen noch nicht vor. Es gab aber ausserordentlich viele Hageltage. Insbesondere gab es am 28. Juni ein aussergewöhnlich grosses Hagelereignis mit Hagelkörnern von einem Durchmesser bis zu 7 cm. Es ist daher von zahlreichen Schäden auszugehen. Nachdem kalten und nassen Mai konnte im Juni viel geheut werden. Die Heuernte startete dieses Jahr somit eher spät: Der Rückstand auf den mittleren Termin der Vergleichsperiode 1981−2010 betrug 6 Tage.

Mehr lesen