Damit gehört die Schweiz weltweit zu den Ländern mit dem höchsten Pro-Kopf-Import von Lebensmitteln. Vor diesem Hintergrund wirkt der immer wieder erhobene Vorwurf einer angeblichen Abschottung geradezu paradox. Die Schweiz verfügt über ein Netz von 35 Freihandelsabkommen, in denen auch der Agrarhandel eine Rolle spielt. Rund die Hälfte der Agrarimporte erfolgt zollfrei, und der durchschnittliche effektive Zoll auf Agrarprodukte beträgt lediglich etwa 4,9 %.
Ein Spannungsfeld entsteht jedoch durch die unterschiedlichen Anforderungen an die Produktion im In- und Ausland. In der Schweiz gelten in vielen Bereichen strengere Umwelt-, Tierwohl- und Sozialstandards als in zahlreichen Importländern. Dies führt zu einem dauerhaften Preisdruck auf die heimische Landwirtschaft. In diesem Kontext ist der Grenzschutz ein zentrales Instrument der Agrarpolitik. Er stabilisiert den Markt, unterstützt die Erreichung der verfassungsmässigen Ziele der Landwirtschaft, insbesondere der Multifunktionalität, und stärkt die Einkommen der Bauernfamilien. Das bestätigt auch die Studie des Professors Mathias Binswanger. Der grenzüberschreitende Handel wird durch das System mit Zöllen und Kontingenten nicht unterbunden, sondern bedarfsgerecht gesteuert. Damit der Grenzschutz diese Funktionen auch künftig erfüllen kann, darf er durch bilaterale Freihandelsabkommen nicht leichtfertig abgebaut werden.
Der Schweizer Bauernverband stellt sich deshalb nicht grundsätzlich gegen Freihandelsabkommen, erwartet jedoch die Einhaltung klarer Grundsätze.