Zucker - Die Süsse im Ackerbau

Aus der Erde wächst die Süsse

In der Schweiz lag die Zuckerrübenanbaufläche in den vergangenen Jahren bei rund 17'000 Hektaren. Zahlreiche Faktoren beeinflussen die Attraktivität dieser wichtigen Kultur in der Fruchtfolge, die rund 6 % der offenen Ackerfläche der Schweiz einnimmt. Dank ihres kräftigen Wurzelsystems dringen Zuckerrüben tief in den Boden ein und lockern ihn unter günstigen Bedingungen auf. In Fruchtfolgen mit Schwerpunkt auf Herbstkulturen tragen sie zudem dazu bei, den Kreislauf von Unkräutern zu unterbrechen.

Konventionell produzierter Schweizer Zucker wird nach den Richtlinien von Suisse Garantie hergestellt und ist nachhaltiger als importierter Zucker. Ein bedeutender Teil der Anbaufläche wird nach den Standards von IP-SUISSE oder Bio Suisse bewirtschaftet oder nimmt an verschiedenen Bundesprogrammen teil, die den Verzicht auf Pflanzenschutzmittel fördern. Trotz der hohen Anforderungen und der Anfälligkeit der Kultur wird heute nahezu die Hälfte der Anbaufläche ohne Insektizid- und Fungizidbehandlungen bewirtschaftet.

Produzentinnen und Produzenten, die ihre Kulturen nach den Vorgaben des Ökologischen Leistungsnachweises (ÖLN) konventionell schützen, erzielen insgesamt höhere und stabilere Erträge. In den vergangenen Jahren haben die Rübenproduzenten eine grosse Offenheit gegenüber ökologischen Programmen gezeigt. Ohne öffentliche Unterstützung wäre es jedoch Aufgabe des Marktes – Verarbeiter, Detailhandel und Konsumentinnen und Konsumenten –, die Ertragseinbussen einer noch ökologischeren Zuckerrübenproduktion auszugleichen.

Ein globaler und volatiler Markt

Mit einem Entscheid aus dem Jahr 2005 verpflichtete die WTO die Europäische Union, ihre Zuckerexporte zu reduzieren, da die subventionierten Ausfuhren die Weltmarktpreise künstlich drückten. Die EU, damals zweitgrösster Zuckerexporteur der Welt, musste ihre Zuckermarktordnung grundlegend reformieren. Dies führte zu einem Rückgang der Anbauflächen um rund ein Drittel.

Um den Selbstversorgungsgrad wieder zu erhöhen und die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, hob die EU Ende September 2017 die Produktionsbeschränkungen für Zucker auf. Gleichzeitig liefen die von der WTO auferlegten Exportbeschränkungen im Zuge der Marktliberalisierung aus. In der Folge steigerten die Zuckerfabriken ihre Produktion, und die meisten EU-Mitgliedstaaten weiteten ihre Anbauflächen aus. Da diese Überproduktion mit sinkenden Weltmarktpreisen zusammenfiel, brachen die Zuckerpreise ein. Im August 2019 fiel der europäische Zuckerpreis auf 300 Euro pro Tonne – den tiefsten jemals verzeichneten Stand.

Da der Schweizer Zuckermarkt über die bilateralen Abkommen (sogenannte «Doppel-Null-Lösung») direkt mit jenem der EU verbunden ist, gingen in dieser Zeit auch die Zucker- und damit die Rübenpreise in der Schweiz zurück.

Im Jahr 2024 stiegen die Zuckerpreise in Europa und weltweit deutlich an. Zu den wichtigsten Ursachen gehörten klimatische Extremereignisse, insbesondere in Brasilien, dem weltweit grössten Zuckerproduzenten, die die Zuckerrohrernte erheblich reduzierten. Auch Indien, der zweitgrösste Zuckerlieferant der Welt, beeinflusste den Markt durch Exportbeschränkungen zur Sicherung der Inlandversorgung.

Von dieser Entwicklung profitierten auch die Schweizer Rübenpreise. Im Jahr 2026 lagen die Zuckerpreise mit rund 500 Euro pro Tonne jedoch weiterhin deutlich unter den Rekordwerten der Jahre 2023/2024, als europäischer Zucker zeitweise bis zu 1'000 Euro pro Tonne erreichte. Die aktuellen Zuckerpreise können jederzeit online, unter anderem über die Marktbeobachtung der Europäischen Kommission, eingesehen werden.

Weit mehr als Zucker

Die beiden Zuckerfabriken in Aarberg und Frauenfeld verarbeiten während der Kampagne von September bis Dezember insgesamt rund 1,5 Millionen Tonnen Zuckerrüben.

Neben Zucker entstehen dabei auch Zuckerrübenschnitzel, ein regionales Futtermittel, das die Landwirtschaft zur Fütterung ihrer Tiere nutzen kann. Pflanzerde, Melasse und Kalk sind weitere wertvolle Nebenprodukte der Schweizer Zuckerproduktion.

Vom kleinen Zuckerrübensamen bis zum fertigen Zucker begleiten umfangreiches Fachwissen und zahlreiche Berufsgruppen den gesamten Produktionsprozess.

Rund 50 % Selbstversorgung

Der Selbstversorgungsgrad bei Zucker liegt bei rund 50 %. Die «Swissness»-Gesetzgebung ist seit 2017 in Kraft und legt fest, unter welchen Voraussetzungen die Schweizer Herkunft eines verarbeiteten Produkts hervorgehoben werden darf.

Für die Produzentinnen und Produzenten ist ein klarer gesetzlicher Rahmen entscheidend, damit einheimische Lebensmittel vor dem missbräuchlichen Einsatz des Schweizerkreuzes geschützt werden. Aus Gründen der Glaubwürdigkeit, der Wertschätzung der geleisteten Arbeit und der Transparenz gegenüber den Konsumentinnen und Konsumenten sollte ein als «schweizerisch» gekennzeichnetes Produkt Schweizer Rohstoffe enthalten.

Zucker gilt in der Schweiz als strategisch wichtiges Gut für die Landesversorgung. Deshalb unterstützt der Bund die nachhaltige Produktion einheimischer Zuckerrüben. Verschiedene Berichte haben aufgezeigt, dass staatliche Unterstützung notwendig ist, um diese Branche langfristig zu sichern.

Eine unabhängige Studie hat bereits gezeigt, dass die Umweltbelastung der Schweizer Zuckerproduktion rund 30 % geringer ist als jene der europäischen Zuckerproduktion. Nachhaltigkeit wird deshalb auch künftig ein zentrales Element bei der Weiterentwicklung des Zuckerrübenanbaus bleiben.

Kontaktperson

Nicolas Wermeille

Geschäftsführer Schweizerischer Verband der Zuckerrübenpflanzer
Fachverantwortlicher: Spezialkulturen, Wettermonitoring, Pflanzenschutz

Belpstrasse 26, 3007 Bern
nicolas.wermeille@sbv-usp.ch 
Departement Produktion, Märkte & Ökologie
Geschäftsbereich Pflanzenbau

  

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