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Boden - Ein wertvolles Gut

Neben seiner bekanntesten Funktion, die Produktion von Nahrungsmittel, erfüllt der Boden noch viele andere Ökosystemdienstleistungen. Zum Beispiel, dient er als Filter für das Trinkwasser, dient als Kohlenstoffspeicher und dient als Stütze für verschiedene Einrichtungen. Der Boden ist eine eingeschränkte Ressource die notwendig für das Überleben von unserem Ökosystem ist. 

Das Kulturland der Schweiz schwindet: 0.87m² pro Sekunde

Die Schweiz ist mit ihren 41′285 km² ein kleines Land, bei dem die Ressource Boden begrenzt ist und die räumlichen Herausforderungen entsprechend gross sind. Mehr als ein Viertel des Landes ist von so genannten unproduktiven Flächen (Felsen, Geröll, Gewässer, Gletscher, Firn, usw.) bedeckt. Der Anteil der Siedlungsfläche an der Gesamtfläche liegt bei 7,5 %, während die Waldfläche über 31 % ausmacht. Der grösste Anteil wird allerdings mit mehr als 35 % von den Landwirtschaftsflächen eingenommen. Dieser Anteil verringert sich aber kontinuierlich. So geht jede Sekunde rund einen Quadratmeter Landwirtschaftsfläche verloren! Grund für diesen Rückgang sind die zunehmende Verstädterung und die Ausbreitung des Waldes. Um den Verlust dieser Flächen entgegenzuwirken, sind daher verschiedene Massnahmen, insbesondere im Bereich der Raumplanung, ergriffen worden.

So wird der Boden in der Schweiz genutzt

Die Bevölkerung wächst stetig und diese demografische Entwicklung zwingt uns zu einer langfristigen Planung der Bodennutzung (Besiedlung, Infrastruktur, usw.). In der Raumplanung wird diesbezüglich der Schwerpunkt auf bauliche Verdichtung oder auf die Aufwertung der zahlreichen Industriebrachen innerhalb der Siedlungsgebiete gelegt. Dies erlaubt unter anderem, die Zersiedlung der Landschaft zu reduzieren. 1992 wurde zudem vom Bund der Sachplan Fruchtfolgeflächen (SP FFF) mit dem Ziel erlassen, genügend Flächen an geeignetem Kulturland zu erhalten, um die Ernährung der Bevölkerung sicherzustellen.


Kulturlandverlust in Aigle (VD), Bildquelle: Bundesamt für Landestopographie

Die Waldflächen nehmen im Alpenraum stärker zu als im Mittelland. Diese Ausbreitung ist oft eine Folge der Verbrachung von ehemals landwirtschaftlich genutzten Flächen. So werden jährlich Sömmerungsweiden mit einer Fläche in der Grösse des Walensees (rund 2′400 ha) aufgegeben. Die hohen Anforderungen an die Alpbewirtschaftung machen diese uninteressant, weshalb sich immer mehr Landwirte aus unterschiedlichen Gründen (Rentabilität, Zugang, Kosten, Infrastruktur, usw.) von ihr abwenden.

Gleichzeitig ist aber zu beobachten, dass die Entwicklung des Agrotourismus zu einer Dämpfung dieses Trends beiträgt. Ferner gibt es eine Reihe von realisierten oder laufenden Projekten, die sich ebenfalls mit dieser Problematik auseinandersetzen und Lösungsansätze bieten. Dazu gehören ein neues Konzept für die Rindfleischproduktion, welches der Verbuschung in den Sömmerungsgebieten entgegenwirkt (PASTO), Studien über Perspektiven für die künftige Nutzung der Sömmerungsgebiete (AlpFUTUR), regionale Entwicklungsprojekte, usw. Ein weiterer Schritt wurde schliesslich auf rechtlicher Ebene mit der 2012 in Kraft getretenen Änderung des Waldgesetzes zur Flexibilisierung der Waldflächenpolitik (Rodungsersatz) gemacht.

Verwaldung im Maderanertal (UR), Bildquelle: Bundesamt für Landestopographie

Boden ist nicht gleich Boden!

Boden ist ein kostbares Gut und erfüllt vielfältige Funktionen: Nährstofflieferant für die Landwirtschaft und die Lebensmittelproduktion sowie für die Forstwirtschaft und Holzproduktion, Filtrierung und Speicherung von Wasser, Lebensraum für zahlreiche Organismen, Zersetzung von Totholz und anderen organischen Substanzen, Speicherung von Kohlenstoff, Träger von mineralischen Rohstoffen, Baugrund für Infrastrukturen, usw.

Der Boden ist ein komplexes Ökosystem, bestehend aus Wasser, Luft, Mineralien, Humus und Organismen (Algen, Bakterien, Milben, Pilze, Spinnen, Regenwürmer, Springschwänze, kleine Säugetiere, usw.). Unter unseren Füssen sind also unzählige Organismen am Werk, deren Vorkommen und Menge als Indikator für die gute Qualität des Bodens gelten. Der Boden ist aber nicht überall von gleicher Beschaffenheit. Seine Entstehung wird sowohl durch äussere Faktoren wie das Klima als auch durch interne Faktoren wie die Zusammensetzung des Ausgangsgesteins beeinflusst.

Je nach Zusammensetzung und Struktur eignen sich manche Böden eher als Weideland und andere als Ackerland. Der SP FFF des Bundes erfasst die besten Landwirtschaftsflächen der Schweiz. Diese werden punkto Bodenbeschaffenheit und klimatischer sowie topografischer Verhältnisse bewertet. Jeder Kanton trägt entsprechend seiner Grösse zum nationalen Mindestumfang der Fruchtfolgeflächen von 438′560 Hektaren bei.

Bildnachweis: Gabriela Brändle und Urs Zihlmann (Agroscope), Andreas Chervet (Amt für Landwirtschaft und Natur des Kantons Bern)

Neben dem Druck durch die Raumplanung ist der Boden einer Vielzahl anderer Belastungen wie Erosion, Verdichtung oder der Kontamination mit Schadstoffen ausgesetzt, welche die Qualität und Fruchtbarkeit des Bodens beeinträchtigen und in der landwirtschaftlichen Produktion zu einer Verringerung der Erträge führen.

Erosion im Ackerbau

Der Boden ist die wertvollste Produktionsgrundlage und die Landwirtschaft setzt sich dafür ein, diese qualitativ und quantitativ zu erhalten. Eine Gefahr des Bodenverlustes ist die Erosion, das heisst die Abtragung von Boden durch Wind und Wasser. Der Verlust von Bodenmaterial kann bewirtschaftungs- oder fruchtfolgebedingt erfolgen und hat viele nachteilige Folgen. Vor allem Hack- und Dammkulturen in Hanglagen, wie zum Beispiel Kartoffeln, sind bei ausgiebigen Niederschlägen erosionsgefährdet. Bodenverdichtung und eine starke Bodenbearbeitung fördern Erosion zusätzlich. Jeder Landwirt hat ein grosses Interesse daran, Erosion soweit wie möglich zu verhindern.

Gemäss der Verordnung über die Belastung des Bodens (VBBo), müssen die Bewirtschafter die Bodenfruchtbarkeit langfristig erhalten und Verdichtung und Strukturveränderungen vermeiden. Ein natürlicher Bodenabtrag von 2 Tonnen Trockensubstanz pro Hektare und Jahr wird als normal bezeichnet. Der Bund stellt mit der Erosionsrisikokarte ein Hilfsmittel zur Einschätzung des Risikos von flächenhaftem Bodenabtrag zur Verfügung. Darin sind Risiken regional aber auch parzellenscharf abgebildet. 

In der Direktzahlungsverordnung (Anhang 1, Ziffer 5) ist festgelegt, dass auf Ackerflächen keine relevanten erosions- und bewirtschaftungsbedingten Bodenabträge vorkommen dürfen. Falls bewirtschaftungsbedingte Erosion festgestellt wird, muss der Bewirtschafter einen vom Kanton anerkannten Massnahmeplan umsetzen oder eigenverantwortlich Massnahmen zur Erosionsprävention umsetzen. Falls der Massnahmeplan nicht umgesetzt wird oder nach eigenverantwortlichen Massnahmen auf der gleichen Parzelle wieder Erosion auftritt, kann eine Kürzung der Direktzahlungen erfolgen. Als Grundlage für die Massnahmenpläne hat Agridea ein Hilfsmittel erstellt, welches Beratern und Landwirten zur Verfügung steht. Erosionsmindernde Massnahmen sind u.a. bodenschonende Anbauverfahren, Verhinderung von Bodenverdichtung, Unterteilung von grossen Parzellen, Bewirtschaftungsrichtung quer zum Hang, eine angepasste Fruchtfolge mit einem hohen Anteil Kunstwiese, Winterbegrünungen und eine positive Humusbilanz. 

Die Herausforderungen der Zukunft

Wie Sie sehen können, ist Boden in der Schweiz eine knappe und begehrte Ressource. Regelmässig kommt es zu Nutzungskonflikten zwischen Lebensmittelproduktion, Biodiversität, Bedarf nach Wohnraum und Wunsch nach einer intakten Landschaft, vor allem in der Talzone. Nicht zu vergessen sind die Auswirkungen des Klimawandels, von denen die Lebensmittelproduktion besonders stark betroffen ist. Wenn wir eine diversifizierte und widerstandsfähige, landwirtschaftliche Produktion behalten wollen, ist es umso wichtiger, die Qualität und Quantität unserer Böden zu schützen.