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Landwirtschaftliches Einkommen

Agroscope führt im Auftrag des Bundes mit der sog. «Zentralen Auswertung» (ZA) seit vielen Jahren ein Einkommensmonitoring für die Landwirtschaft. Das Landwirtschaftliche Einkommen (LE) entspricht dem erwirtschafteten Überschuss, welcher dem Betrieb zur Entschädigung der nicht entlöhnten Familienarbeitskräfte (als Arbeitsverdienst) und für das investierte Eigenkapital (als Zinsanspruch) zur Verfügung steht. Infolge des tiefen Zinsniveaus kann der Zinsanspruch von 259 Fr. pro Betriebe 2018 praktisch vernachlässigt werden.

Im Mittel der Betriebe betrug 2018 das landwirtschaftliches Einkommen Fr. 70 645; das ergibt einen Arbeitsverdienst von CHF 51'911 pro Familienarbeitskraft, was weit unter den Löhnen im 2. und 3. Sektor liegt. Die Schwankungen zwischen den Betrieben, Betriebsgruppen und Regionen sind sehr gross.

Einkommensmonitoring

Für das Einkommensmonitoring in der Landwirtschaft steht in der Schweiz mit der Zentralen Auswertung (ZA) ein langjähriger und differenzierter Datensatz zur Verfügung. In der Stichprobe «Einkommenssituation» wurden 2018 von der Forschungsanstalt Agroscope Buchhaltungsergebnisse von knapp 2 500 Landwirtschaftsbetrieben ausgewertet. Diese Betriebe stehen stellvertretend für fast 35 000 Betriebe der Schweizer Landwirtschaft.

Das landwirtschaftliche Einkommen setzt sich zusammen aus dem Arbeitsverdienst der Familienarbeitskräfte und dem Zinsanspruch für das investierte Eigenkapital. Der Arbeitsverdienst soll die Arbeitsleistung der auf dem Betrieb eingesetzten, nicht entlöhnten Familienarbeitskräfte entschädigen. Der Zinsanspruch ist infolge des tiefen Zinsniveaus der letzten Jahre praktisch vernachlässigbar.

Abbildung 1 zeigt den Arbeitsverdienst und dessen Streuung für unterschiedliche Regionen und Betriebsausrichtungen. Auffallend in dieser Darstellung sind die grossen Unterschiede sowohl innerhalb als auch zwischen den Betriebsgruppen und Regionen. Im untersten Quartil (dem Viertel mit dem tiefsten Verdienst) fällt der Arbeitsverdienst für alle Betriebstypen prekär tief aus. Während die Betriebstypen «Veredelung», «Ackerbau», «Spezialkulturen» oder «Kombinierte Veredelung» im Vergleich mit den Berufskollegen anderer Betriebstypen einen deutlich überdurchschnittlichen Verdienst erzielen, fällt dieser bei den Vieh- und Kleinviehhaltern besonders schwach aus. Zwischen dem mittleren Verdienst (Median 1) der Landwirtschaftsbetriebe und den Löhnen von Arbeitnehmenden im zweiten und dritten Sektor klafft nach wie vor eine grosse Lücke. 

1) Der Median ist derjenige Wert, der eine sortierte Stichprobe in zwei gleich grosse Hälften teilt. Infolge der schiefen Verteilung bei Einkommen ist er eine bessere Vergleichsgrösse als das arithmetische Mittel (Mittelwert).

Arbeitsverdienst und Vergleichslohn

Bei einem direkten Vergleich sollte man allerdings die Eigenheiten der verglichenen Gruppen bedenken: Es wird das Einkommen von Selbständigen in der Landwirtschaft dem Lohn von Arbeitnehmern gegenübergestellt. Während die landwirtschaftliche Bevölkerung im Allgemeinen von günstigem Wohnraum, kurzen Arbeitswegen und einer gewissen Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln profitiert, muss sie sich im Gegenzug mit längeren und über das Jahr stärker schwankenden Arbeitszeiten sowie einem höheren Unternehmensrisiko abfinden als ein durchschnittlicher Angestellter in der Industrie oder im Dienstleistungssektor. Es lässt sich aber trotzdem das Fazit ziehen, dass zwischen Verdienst der übrigen Wirtschaft und der Landwirtschaft insbesondere jener der Berg- und Hügelregion eine grosse Lücke klafft.

Kontaktperson

Martin Brugger

Martin Brugger

Stv. Leiter Departement Wirtschaft, Bildung und Internationales

Laurstrasse 10, 5201 Brugg
martin.brugger@sbv-usp.ch
Departement Wirtschaft, Bildung und Internationales
Geschäftsbereich Agrarwirtschaft

  

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