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Superfood: Warum in die Ferne schweifen? Gesundes von Nah

Lebensmittel, die bestimmte Vitamine, Mineralstoffe oder andere besondere Inhaltsstoffe in überdurchschnittlicher Menge enthalten, heissen heutzutage „Superfood“. Sie gelten als besonders gesund. Die begehrten Vitalstoffe darin sind Vitamine, Proteine, Fettsäuren mit optimalem Fettsäuremuster, Jod, Eisen, Magnesium, Kalzium, Kalium, Zink oder Polyphenole, um nur einige zu nennen. Diese kommen grundsätzlich in allen Früchten, Gemüsen, Nüssen, Kernen und pflanzlichen Lebensmitteln vor, einfach in unterschiedlicher Dosierung und Zusammensetzung. Als Superfood Karriere machen aktuell vor allem exotische Lebensmittel wie Avocados, Chiasamen oder Goji-Beeren. Es gibt aber für jeden Superfood Ersatz vor unserer Haustür. Diese sind mindestens so gesund wie Superfood, sind nachhaltiger in der Produktion und viel günstiger.

Exotischer Superfood und ihr einheimisches Pendant

  • Avocado vs. Nüsse

    Avocado ist eine Butterfrucht und enthält viel Fett, das reich an ungesättigten Fettsäuren ist. Avocado enthält zudem die Vitamine E und B sowie Magnesium.

    Einheimisches Pendant

    Baum- und Haselnüsse. Avocadopüree lässt sich mit Püree aus Auberginen oder Erbsen ersetzen.

    Bemerkungen

    Die Avocado weist eine miserable Ökobilanz auf. Ihr Anbau ist äusserst wasserintensiv: Um ein Kilo Avocado zu produzieren, braucht es rund 1000 Liter Wasser. Avocado wird in tropischen und subtropischen Gebieten produziert, in denen zwar das Klima stimmt, aber das Wasser knapp ist. Im weltgrössten Anbauland Mexiko führt der Avocado-Hype nicht nur zu Wassermangel, sondern auch zu illegaler Abholzung: Jedes Jahr werden 1500 bis 4000 Hektaren Wald gerodet, um Platz für Avocado-Plantagen zu schaffen. Zusätzlich verschlechtert wird die Ökobilanz durch den aufwändigen und langen, energieintensiven Transport, da Avocados nur gut gepolstert und in Kühlschiffen den langen Transport heil überstehen.

  • Quinoa vs. Hirse

    Quinoa soll hochwertige Fettsäuren und Proteine mit allen essentiellen Aminosäuren enthalten. Ausserdem wird dem Korn viel Kalzium, Magnesium sowie Eisen nachgesagt.

    Einheimisches Pendant

    Hirse, Buchweizen, Kartoffeln, Reis, Polenta, Hafer

    Bemerkungen

    Quinoa kommt vorrangig aus Bolivien und Peru, hat also schon viele Kilometer auf dem Buckel bis es hier ist. Durch die steigende Nachfrage auf dem Weltmarkt ist der Preis gestiegen und die indigene Bevölkerung kann sich Quinoa z.T selber nicht mehr leisten. Um die gestiegene Nachfrage decken zu können, wird der ursprünglich extensive Anbau intensiviert, was die Ökosysteme der Anbauländer schädigt. Quinoa ist glutenfrei, genauso wie u.a. Hirse, Buchweizen, Kartoffeln, Reis, Polenta und Hafer. Biofarm und IP-Suisse bauen nun auch Quinoa in der Schweiz an. Einheimisches Quinoa ist immer häufiger in den Läden zu finden

  • Chia-Samen vs. Leinsamen

    Der Samen der ursprünglich aus Mexiko stammenden Pflanze verspricht viele Nahrungsfasern, gesunde Omega-3-Fettsäuren sowie Proteine und viel Vitamin A, B, E und D.

    Einheimisches Pendant

    Leinsamen

    Bemerkungen

    Der Gehalt an Nahrungsfasern und Omega-3-Fettsäuren von Chiasamen ist hoch. Der grosse Hype um Chia ist vor allem deswegen entstanden. Das sind zwei Inhaltsstoffe, die man in Chia findet. Aber: Man findet sie auch in ziemlich gleicher Konzentration in Leinsamen. Und Leinsamen haben wir aus europäischem und auch aus Schweizer Anbau. Leinsamen stehen den Chiasamen auch bezüglich Vitamin E und Protein in nichts nach. Ein drastischer Unterschied zwischen den mexikanischen Chiasamen und regionalen Leinsamen besteht beim Preis. Bio-Leinsamen ist drei- bis zehnmal billiger zu kaufen als Chiasamen.

  • Açai-Beere vs. Heidelbeere

    Açai-Beere stammt aus Brasilien. Sie verspricht Antioxidantien, Nahrungsfasern, Magnesium. Sie soll fettreich, proteinreich und sättigend sein.

    Einheimisches Pendant

    Sanddorn, Brombeeren, Heidelbeeren, Holunder, Kirschen

    Bemerkungen

    Die Açai-Beere enthält Antioxidantien und andere sekundäre Pflanzenstoffen wie Flavonoiden und Polyphenolen. Dennoch hat sie keine überdurchschnittlichen antioxidativen Fähigkeiten, in ihrer Heimat Brasilien wird sie als alltägliches Nahrungsmittel angesehen. Unsere einheimischen Beeren enthalten mehr Antioxidantien als die Wunderbeere Açai und mehr Nahrungsfasern. Vor allem Sanddorn ist eine Vitamin-C-Bombe. Einheimische Beeren haben von Mai bis Oktober Saison. Da Açai-Beeren aus Brasilien importiert werden, steckt durch den aufwändigen Transport neben Vitaminen auch eine Menge graue Energie darin. Magnesium findet sich weiter in Mangold, Sonnenblumenkernen, Haferflocken, Heidelbeeren aber auch in Wildpflanzen wie dem Bärlauch und in Gänseblümchen.

  • Goji-Beere vs. Johannisbeere

    Die Goji-Beere aus China enthält Vitamine A, B, C und E, Antioxidantien und Karotinoide.

    Einheimisches Pendant

    Himbeeren, Heidelbeeren, Johannisbeeren, getrocknete Aprikosen und Zwetschgen, Spinat.

    Bemerkungen

    Himbeeren, Heidelbeeren, Aprikosen, Zwetschgen und Spinat enthalten ähnlich viel Nahrungsfasern, Betacarotin, Vitamin C. Immer wieder misst man bei Goji Pestizid-Rückstände. Aufgrund des langen Transportweges steckt viel graue Energie in Goji-Beeren.

  • Spirulina vs. Spinat

    Die Alge aus Mexiko und Afrika soll die Immunabwehr stärken und den Blutdruck und Cholesterinspiegel senken. Sie ist reich an Eiweiss, Eisen, Chlorophyll, Betacarotin und Folsäure.

    Einheimisches Pendant

    Spinat, Grünkohl, Mangold, Rosenkohl und grundsätzlich alle Gemüse

    Bemerkungen

    Alle diese Eigenschaften haben unsere einheimischen Gemüse: Auch unsere regional erhältlichen Gemüse stärken die Immunabwehr, senken den Blutdruck und Cholesterinspiegel, sind reich an Eiweiss, Eisen, Chlorophyll, Betacarotin und Folsäure.

  • Mandeln vs. Baumnüsse

    Einheimisches Pendant

    Baumnüsse

    Bemerkungen

    Mandelbäume haben einen enormen Wasserbedarf: In einer einzigen Mandel stecken bis zu vier Liter Wasser. Baumnüsse, die unter anderem in Südeuropa angebaut werden, sind ebenso gesund wie Mandeln und weisen eine deutlich bessere Wasserbilanz auf.

  • Matcha vs. Brennnesseltee

    Matcha-Tee aus Japan soll Blutdruck senken, die Cholesterinwerte verbessern, Stress reduzieren, den Stoffwechsel verbessern und die Leistungsfähigkeit steigern.

    Einheimisches Pendant

    Grüntee, Brennnesseltee

    Bemerkungen

    Einheimischer Grüntee wächst auch im Tessin. Brennnesseln kann man selber sammeln und trocknen.

  • Schisandra vs. Äpfel

    Schisandra ist eine Rankpflanze, deren rote Beeren reich an Flavonoiden, Vitamin A, C, B6 und E, Calcium, Magnesium und Eisen sind.

    Einheimisches Pendant

    Äpfel, Birnen, rote Trauben, Grünkohl, Auberginen, grüne Bohnen, Nüsse

    Bemerkungen

    All unsere einheimischen Früchte und Gemüse sind vitamin- und mineralstoffreich. Bereits 100 Gramm Grünkohl enthalten viermal den Tagesbedarf an Vitamin K. Weiter sind auch viel Vitamine A und C, Folsäure, Calcium, Kalium, Magnesium, Eisen, Omega-3-Fettsäuren sowie Schwefel in unserem Gemüse enthalten.

Weitere einheimische Superfood sind: Hühnereier, sie enthalten fast alle Vitamine ausser C. Die Rande besitzt einen hohen Eisengehalt und ist daher besonders geeignet, um die roten Blutkörperchen zu vermehren. Die Vielfalt am sekundären Pflanzenstoff Betain schützt ausserdem das Herz sowie die Blutgefässe. Schwangere können Randen als Folsäurelieferant nutzen. Das Beste an der Rande: Sie ist auch im Winter frisch erhältlich und lässt sich vielfältig verwenden.

Sauerkraut verhilft uns zu einer gesunden Darmflora und ist es sehr reich an Vitamin C. Sie mögen kein Sauerkraut? Versuchen Sie es mal als Szegediner Gulasch zubereitet! Grünkohl: Bereits 100 Gramm davon enthalten viermal den Tagesbedarf an Vitamin K. Enthält auch viel Vitamine A und C, Folsäure, Calcium, Kalium, Magnesium, Eisen, Omega-3-Fettsäuren, Schwefel. Grünkohl ist ernährungsphysiologisch – wie jedes andere Kohlgemüse – perfekt. Zudem soll Grünkohl entzündungshemmend wirken und das Krebsrisiko senken. Statt Vitaminpillen nimmt man besser Sprossen, etwa von Zwiebeln, Alfalfa, Mungobohnen, Kresse oder Kichererbsen.